
mooinblack / Shutterstock.com
Der Golfsport erlebt in dieser Woche einen historischen Moment – und zwar nicht wegen eines spektakulären Schlags oder eines neuen Rekords. Vielmehr steht eine bemerkenswerte Serie vor ihrem Ende: Zum ersten Mal seit 2007 wird Lexi Thompson nicht bei den U.S. Women's Open abschlagen. Damit endet eine beeindruckende Folge von 19 aufeinanderfolgenden Teilnahmen an einem der bedeutendsten Turniere im Damengolf.
Die Geschichte von Lexi Thompson und den US Women's Open begann bereits im Jahr 2007. Damals sorgte die erst zwölfjährige Amerikanerin für Schlagzeilen, als sie sich für das prestigeträchtige Major qualifizierte. Zu jener Zeit galt sie als eines der größten Talente, die der Golfsport je hervorgebracht hatte. Niemand konnte ahnen, dass aus diesem ersten Auftritt eine Serie entstehen würde, die fast zwei Jahrzehnte andauern sollte.
Seitdem war Thompson Jahr für Jahr Teil des Teilnehmerfeldes. Sie erlebte Höhen und Tiefen, kämpfte um Titel und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Gesichter des internationalen Damengolfs. Ihre 19 aufeinanderfolgenden Starts gehören zu den bemerkenswertesten Langzeitserien in der Geschichte des Turniers.
Der Grund für ihr Fehlen ist kein Rücktritt vom Profisport, sondern eine Kombination aus sportlichen und persönlichen Faktoren.
Nach ihrem Rückzug aus dem Vollzeit-Tourleben Ende 2024 spielt Thompson nur noch ein eingeschränktes Turnierprogramm. Dadurch hat sie weniger Möglichkeiten, Weltranglistenpunkte zu sammeln und sich automatisch für Majors zu qualifizieren. Für die US Women's Open 2026 hätte sie entweder unter den besten 75 Spielerinnen der Weltrangliste stehen, ein LPGA-Turnier gewinnen oder sich über die Qualifikationsturniere durchsetzen müssen. Keine dieser Voraussetzungen erfüllte sie rechtzeitig. Zum Stichtag lag sie lediglich auf Rang 98 der Weltrangliste.
Zusätzlich zog sie ihre Meldung für ein Qualifikationsturnier in Florida zurück, um stattdessen an einem LPGA-Event teilzunehmen. Diese Entscheidung erwies sich letztlich als folgenreich, da sie dadurch ihre letzte direkte Chance auf einen Startplatz ungenutzt ließ.
Besonders bemerkenswert sind Thompsons eigene Worte. In einem emotionalen Statement erklärte die 31-Jährige, dass sich ihre Prioritäten verändert hätten. Sie betonte, dass es mittlerweile „andere Träume“ gebe, auf die sie sich konzentrieren wolle. Obwohl sie weiterhin ausgewählte Turniere spielen werde, stehe Golf nicht mehr ausschließlich im Mittelpunkt ihres Lebens.
Diese Aussagen spiegeln die Entwicklung einer Athletin wider, die seit ihrer Kindheit im Rampenlicht steht. Bereits als Teenager wurde Thompson als zukünftiger Superstar vermarktet. Über viele Jahre gehörte sie zu den bekanntesten Spielerinnen der LPGA-Tour, gewann elf Turniere und feierte 2014 ihren Major-Sieg bei der Chevron Championship.
Nach nahezu zwei Jahrzehnten auf höchstem Niveau scheint nun eine neue Lebensphase zu beginnen.
Besonders eng war Thompson dem Gewinn der US Women's Open im Jahr 2021. Viele Experten erinnern sich noch heute an das dramatische Finale im Olympic Club.
Damals führte sie neun Löcher vor Schluss mit fünf Schlägen Vorsprung und schien auf dem Weg zu ihrem zweiten Major-Titel zu sein. Doch auf den letzten Bahnen brach ihr Spiel überraschend ein. Eine Schlussrunde voller Fehler kostete sie den sicher geglaubten Triumph, und am Ende musste sie sich mit dem dritten Platz begnügen.
Viele Beobachter betrachten diese Niederlage bis heute als einen der emotionalsten Momente ihrer Karriere.
Obwohl Thompson die US Women's Open nie gewinnen konnte, hinterließ sie bei dem Turnier deutliche Spuren.
Zu ihren besten Ergebnissen zählen:
Diese Zahlen verdeutlichen, wie konstant Thompson über viele Jahre bei einem der schwierigsten Turniere im Golfsport auftrat.
Trotz des Endes ihrer Serie klingt in Thompsons Aussagen keine endgültige Verabschiedung vom Turnier durch. Vielmehr ließ sie offen, ob sie künftig noch einmal zurückkehren könnte. Sie bedankte sich ausdrücklich bei den US Women's Open für die Rolle, die das Turnier in ihrer Karriere gespielt habe, und schloss eine zukünftige Teilnahme nicht aus.
Für die Fans bleibt damit zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer bestehen.
Das Fehlen von Lexi Thompson in Los Angeles ist weit mehr als eine Randnotiz. Es markiert das Ende einer außergewöhnlichen Verbindung zwischen einer Spielerin und einem Major-Turnier. Von der zwölfjährigen Sensation bis zur erfahrenen Veteranin war Thompson über fast zwei Jahrzehnte ein fester Bestandteil der US Women's Open.
Auch wenn ihre sportlichen Prioritäten heute andere sind, bleibt ihr Vermächtnis bestehen. Die 19-jährige Serie steht für Beständigkeit, Leidenschaft und eine Karriere, die eine ganze Generation von Golferinnen inspiriert hat. Und selbst wenn Thompson in dieser Woche nicht am Abschlag steht, wird ihre Geschichte bei den US Women's Open weiterhin präsent sein.